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Overview / Glaube & Philosophie

Das Für und Wider des (A)Theismus

  • 6172 Posts
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Velgar 46

Velgar

Myth
22,964 posts

05/27/18, 09:39 am
Post from Ignition 45 :

Und was du als "Letztbegründung" anführen könntest, warum "Diebstahl" etwas Falsches ist. Also nicht so sehr, was genau Diebstahl ist, sondern warum es falsch ist.

Wie auch schon von dir angedeutet wurde, wenn es vom "Bestohlenen" üb…

"Wie auch schon von dir angedeutet wurde, wenn es vom "Bestohlenen" überhaupt als "falsch" empfunden wurde, oder wird?"

Das ist es ja: Es geht nicht um "Empfindungen". Du findest, Diebstahl ist (meistens) falsch, ich finde das auch.

Aber können wir begründen, warum?

Desgleichen natürlich für den "Bestohlenen" und den "Stehlenden".

 

"Ob ich mir jetzt Gedanken mache, weil ich etwas "ungefragt mitgenommen habe", es also "nicht richtig ist / war", oder auch keine, ist nochmal eine andere Frage?"

Ok, dann so: Warum ist "ungefragt mitnehmen" falsch? Du bist bei "was ist Diebstahl" und ich will auf "warum ist es meistens falsch"?

Oder besser: "Warum halte ich es meistens für falsch?"

 

"Man könnte das nicht nur auf "Diebstahl" beschränken, sondern auch auf anderes anwenden."

Selbstverständlich.

 

"Wenn ich nicht will, dass jemand mir etwas nimmt, oder tut, auch wenn der andere jemand das als "richtig" ansieht."

Wieder dir Frage: Warum? Du willst das nicht. Warum?

 

"Vom Prinzip her gibt es keine allgemeingültige Aussage, ob etwas richtig oder falsch ist, Kontext und Zusammenhang hin oder her?"

Das sowieso, da waren wir ja aber schon: Absolute Aussagen (hier: richtig oder falsch) gehen eigentlich nicht.

 

"Könnte man sagen, dass es "Kulturell" bedingt ist, dass man, von uns "Diebstahl" genannt, als falsch ansehen kann?"

Das ist auch eine Frage. Und die Gegenfrage: Ist es das? Wie würde eine "Kultur" aussehen, in der "Diebstahl" richtig/legal ist oder zumindest nicht "falsch"? 

 

"Das kann zu einem großen (Philosophischen) Dilemma führen, denn WER hat das Recht etwas vorzuschreiben, wenn "das Volk" evtl. nicht "selbst" in der Lage ist zu Urteilen, was "richtig" und was "falsch" ist?"

Oh, das geht. Ob gut oder nicht... nuja.

Aber in Deutschland haben wir das gemacht. Naja, nicht "wir" persönlich. Die verfassungsgebende Versammlung.

Und zwar über Eck: Die Versammlung wurde gewählt von den Länderparlamenten (auch wenn der ein oder andere Reichsdepp das nicht rafft) und die hat die Verfassung gebastelt, mit den entsprechenden Einschränkungen, was nicht geändert werden kann (Art.1, Art.20 und indirekt Art.97). Und darüber haben dann die auch gewählten Länderparlamente abgestimmt.

Und jetzt ist es so, daß du diese Artikel nur dann ändern kannst, wenn du die ganze Verfassung rausschmeisst.

Das heißt: Du kannst auch das demokratisch legitimieren. Und damit hat "das Volk" darüber schlußendlich (repräsentativ) abgestimmt.

Was hier wichtig ist: Die "Mehrheitsmeinung" ist nicht immer richtig. Und deshalb muß man sich schon überlegen, was man der "Mehrheitsmeinung" unterwirft und was nicht.

Das kann man rechtsphilosophisch anders sehen und auch begründen. Und auch die Abstufung und Einteilung, was gemacht werden kann, ist unterschiedlich.

In Deutschland haben wir Richter, die aufgrund der Gesetze entscheiden.

Die USA haben - aus Film und Fernsehen bekannt - Geschworenengerichte. Also zumindest in einem gewissen Maße "Mehrheitsentscheidungen" (muß dann einstimmig sein, schon klar, aber du siehst, was ich meine?).

 

"Hmmm, versucht man da auch (in der Politik) einer "Masse" zu entsprechen, die zu (großen?) Stücken nicht mal selbst weiß, was sie eigentlich will, und was "gut" für sie wäre?" (Ging um Alkohol)

Da ist das Problem: Wer entscheidet, was "gut" für jemanden ist? Du hast es oben angesprochen.

Und wenn du da anfängst, wo hörst du wieder auf? Bergsteiger, Fallschirmspringer, Rollerskater? Und wie begründest du das eine bzw. das andere?

Verstehst du? Ab vom Einzelfall - also hier "Alkohol" - hängt da ein Riesenrattenschwanz dran. Denn "übermäßiger Alkoholkonsum? Was ist das genau? Eine "Promillegrenze"?

Sich drei Promille zuhause anzusaufen ist legal. Mit drei Promille Auto zu fahren ist strafbar.

Das wird juristisch schwierig. Nicht unmöglich, schon klar. Aber schwierig.

 

"Das sehe ich auch so, ein "Gesetz" wird dem wohl auch nicht Herr werden können, zumal damit "die persönliche Freiheit" beschnitten sein >könnte<?"

Richtig, und deshalb haben wir das "über Eck": Wir bestrafen nicht den Konsum an sich - bei verschiedenen anderen Drogen übrigens auch nicht - sondern beschränken, was man tun darf, wenn man konsumiert hat. Das ist sicherlich auch eine kulturelle Frage.

Bei Marihuana weiß ich das, bei Heroin bin ich mir nicht sicher: Der Konsum selbst ist nicht strafbar, der Besitz der Droge aber schon.

(Bei Marihuana gibts meines Wissens eine Untergrenze)

 

"Ausser evtl. bei dem Philosphischen Knackpunkt "Todesstrafe"? (Hmm, auch da, anscheinend ist die "Wirkung" auch da nicht so groß. Bin da nicht so ganz auf dem Laufenden)"

Meines Wissens ist das die Faktenlage klar: Praktisch kein Abschreckungseffekt. Im Gegenteil: Teilweise tritt eine Art "wenn schon -> denn schon"-Effekt auf.

Wenn also sagen wir mal der Besitz einer Droge schon mit dem Tode bestraft wird, mag es rational erscheinen, den eventuellen Zeugen umzubringen um zumindest die Chance zu haben, nicht erwischt zu werden.

 

Wie gesagt, bei "kleineren" Straftaten/Ordungswidrigkeiten funktioniert das.

Wer einmal einen Strafzettel wegen zu schnellem Fahren aus der Schweiz bekommen hat, wird da garantiert nicht mehr zu schnell fahren. Da wirds dir nämlich schwindelig...

Velgar

"Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtung zu finden"
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Ignition 45

Ignition

Grandmaster
463 posts

05/26/18, 04:39 pm
Post from Velgar 46 :

"Ich weiß worauf du hinaus willst. Du willst ins kleinste Detail schauen."

Nein, eigentlich nicht direkt.

Mir ging es darum zu schauen, inwiefern deine Herangehensweise generalisierbar ist.

Und was du als "Letztbegründung"…

Und was du als "Letztbegründung" anführen könntest, warum "Diebstahl" etwas Falsches ist. Also nicht so sehr, was genau Diebstahl ist, sondern warum es falsch ist.

Wie auch schon von dir angedeutet wurde, wenn es vom "Bestohlenen" überhaupt als "falsch" empfunden wurde, oder wird?

Ob ich mir jetzt Gedanken mache, weil ich etwas "ungefragt mitgenommen habe", es also "nicht richtig ist / war", oder auch keine, ist nochmal eine andere Frage?

Es geht dabei darum, was genau "Diebstahl" ist und was nicht.

Mir ging es eher darum zu schauen, warum Diebstahl falsch ist (oder meistens falsch ist), also wie sich das philosophisch begründen läßt.

Man könnte das nicht nur auf "Diebstahl" beschränken, sondern auch auf anderes anwenden.

Wenn ich nicht will, dass jemand mir etwas nimmt, oder tut, auch wenn der andere jemand das als "richtig" ansieht.

Vom Prinzip her gibt es keine allgemeingültige Aussage, ob etwas richtig oder falsch ist, Kontext und Zusammenhang hin oder her?

Wenn ich sage "Eine Wiese ist blau", obwohl du das eventuell nicht so siehst, und ggf. sogar frägst in welchem Zusammenhang, dann erwartest du auch eine Antwort. (Warum ich die wiese gerade in der speziellen "anderen" Farbe sehe)

Mir ging es eher darum zu schauen, warum Diebstahl falsch ist (oder meistens falsch ist), also wie sich das philosophisch begründen läßt. 

Daß es dann hinterher im Gesetz entsprechend möglichst eindeutig beschrieben werden muß ist klar, aber nicht die Grundlage.

---

"Das ganze ist auch eine Sache des Standpunktes?"

Selbstverständlich. Aber im Gesetz kannst du diesen Unterschied nicht machen.

Deshalb auch die sozusagen "Letztbegründung" mit der "goldenen Regel": Denn es mag durchaus sein, daß jemand den eigenen Diebstahl als "nicht falsch" betrachtet, aber im umgekehrten Fall - wenn man also ihn beklaut - durchaus als "falsch" bezeichnen würde.

Könnte man sagen, dass es "Kulturell" bedingt ist, dass man, von uns "Diebstahl" genannt, als falsch ansehen kann?

Klar, vom Gesetz her ist es geregelt. (Wobei "geregelt" bereits das Wort "Regelung" beeinhaltel)

"Wobei sogar die Mehrheit auch falsch liegen kann, aber nicht muss."

Die Mehrheit kann falsch liegen, muß aber nicht, bedeutet aber, daß "die Mehrheit" keine sichere Maßgabe für "richtig" ist.

Das kann zu einem großen (Philosophischen) Dilemma führen, denn WER hat das Recht etwas vorzuschreiben, wenn "das Volk" evtl. nicht "selbst" in der Lage ist zu Urteilen, was "richtig" und was "falsch" ist?

"Eventuell könnte man es ja der Gesellschaft möglich machen ein "besseres Leben" zu führen, das würde ggf. den Alkoholkonsum ( etwas) einschränken?"

Das wird ja auch getan und weil die persönliche Freiheit ein so hohes Gut bei uns ist, ist es auch die einzig übrigbleibende Handlungsmöglichkeit der Gesellschaft.

Hmmm, versucht man da auch (in der Politik) einer "Masse" zu entsprechen, die zu (großen?) Stücken nicht mal selbst weiß, was sie eigentlich will, und was "gut" für sie wäre?

"Eventuell könnte man es ja der Gesellschaft möglich machen ein "besseres Leben" zu führen, das würde ggf. den Alkoholkonsum ( etwas) einschränken?"

Das wird ja auch getan und weil die persönliche Freiheit ein so hohes Gut bei uns ist, ist es auch die einzig übrigbleibende Handlungsmöglichkeit der Gesellschaft.

---

(Ich führe mal die zwei Beiträge (von mir angefangen) zusammen, sonst bekommen wir "Salat")

"Für mich ok / Für mich nicht ok"

Schon klar und ich bin da durchaus bei dir, die Frage ist aber, ob man daraus ein Gesetz machen sollte (mit entsprechender Strafe, sonst fürn Arsch und überflüssig).

Ich finde Alkoholismus auch "nicht ok". Aber ich sehe nicht, daß es strafbewehrt sein sollte und ich sehe darüber hinaus auch nicht, ob eine Strafbewehrung das Problem lösen würde.

Das sehe ich auch so, ein "Gesetz" wird dem wohl auch nicht Herr werden können, zumal damit "die persönliche Freiheit" beschnitten sein >könnte<?

Beispiel sogenannte "harte Drogen". Es gibt durchaus Länder, in denen solche Drogen nun wirklich knackig bestraft werden, bis hin zu Todesstrafe.

Aber gelöst ist das Problem auch damit nicht. Solche Länder haben auch nicht geringere Drogenprobleme, selbst mit solchen drakonischen Strafen.

Das rechtsphilosophische Problem, ob "Abschreckung" wirklich funktioniert geht davon auch nicht weg.

"Abschreckung" hat wohl damals in den USA nicht wirklich "geholfen", als ein Alkoholverbot galt?

(Ich las gerade nochmal nach, "Prohibition" von 1920 - 1933)

Aber nimm auf der anderen Seite die wirklich schweren Straftaten: Mord/Totschlag: Die Strafe hält eigentlich keinen oder kaum einen davon ab, oder?

Nein, anscheinend nicht wirklich.

Ausser evtl. bei dem Philosphischen Knackpunkt "Todesstrafe"? (Hmm, auch da, anscheinend ist die "Wirkung" auch da nicht so groß. Bin da nicht so ganz auf dem Laufenden)

"Um was sollte es sich bei ihrem Beitrag als Antwort zu dem vorangegangen Post handeln?"
Gar nicht so schwer, um Substanziell reduzierte, essentiell Antipragmatische Kunst. ;)
"Wie bitte?"
Ich hab einfach etwas hingeschmissen. :D

Velgar 46

Velgar

Myth
22,964 posts

05/26/18, 08:04 am
Post from Ignition 45 :

(Nächste Überlegung, aber die ein andermal: Ist "der Wille des Volkes" immer zu befolgen?)

Beinahe spontane Idee:

"Millionen Fliegen können nicht irren, ---"

Mal abgesehen davon was "die Volkvertreter" sich ausgedacht ha…

"Die Philosophie "dahinter" könnte auch Hauptsächlich die Kohle jeden Monat auf den Konten der Vertreter sein."

Schon klar, taugt aber nicht, weil unter der Maßgabe, daß es auch im umgekehrten Fall vertretbar ist, es nicht ethisch/moralisch vertretbar ist.

Das mag durchaus die Motivation sein. Und bei speziellen Kandidaten im Bundestag halte ich das auch für durchaus der Fall.

Aber eine Motivation ist keine ethisch/moralische Legitimation und gerade auch nicht in Kants Sinne "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." (Der kategorische Imperativ eben)

 

"Ja, ich weiß. Doch wir hatten es ja mit starkem Alkoholkonsum, willentlich?"

Ja, aber auch der ist bei uns selbst direkt nicht strafbar.

Indirekt schon, aber das hängt an den Folgen.

 

"Für mich ok / Für mich nicht ok"

Schon klar und ich bin da durchaus bei dir, die Frage ist aber, ob man daraus ein Gesetz machen sollte (mit entsprechender Strafe, sonst fürn Arsch und überflüssig).

Ich finde Alkoholismus auch "nicht ok". Aber ich sehe nicht, daß es strafbewehrt sein sollte und ich sehe darüber hinaus auch nicht, ob eine Strafbewehrung das Problem lösen würde.

Beispiel sogenannte "harte Drogen". Es gibt durchaus Länder, in denen solche Drogen nun wirklich knackig bestraft werden, bis hin zu Todesstrafe.

Aber gelöst ist das Problem auch damit nicht. Solche Länder haben auch nicht geringere Drogenprobleme, selbst mit solchen drakonischen Strafen.

Das rechtsphilosophische Problem, ob "Abschreckung" wirklich funktioniert geht davon auch nicht weg.

Es scheint so zu sein, daß es bei "kleinen Straftaten/Ordnungswidrigkeiten" funktioniert, aber bei allem was darüber hinaus geht nicht mehr.

Beispiel Temposünden: Gibt durchaus Ecken, da würde ich schon schneller fahren. Aber ich möchte meine Pappe ganz gerne behalten. Also pass ich auf, daß ich nicht schneller fahre. (Gut, zehn auf dem Tacho mehr... schon öfter. Sind real dann so fünf mehr...)

Aber nimm auf der anderen Seite die wirklich schweren Straftaten: Mord/Totschlag: Die Strafe hält eigentlich keinen oder kaum einen davon ab, oder?

 

Velgar

"Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtung zu finden"
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Velgar 46

Velgar

Myth
22,964 posts

05/26/18, 07:51 am
Post from Ignition 45 :

"Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?"

Hm... Was ist mit Sozialhilfeempfängern? Gut, das wäre etwas sehr…

"Ich weiß worauf du hinaus willst. Du willst ins kleinste Detail schauen."

Nein, eigentlich nicht direkt.

Mir ging es darum zu schauen, inwiefern deine Herangehensweise generalisierbar ist.

Und was du als "Letztbegründung" anführen könntest, warum "Diebstahl" etwas Falsches ist. Also nicht so sehr, was genau Diebstahl ist, sondern warum es falsch ist.

 

"Ich drösel meinen Satz mal auf:"

Mußt du gar nicht, ich hab dich schon verstanden.

Im Grunde ist das die juristische Herangehensweise. Ist auch ok und nicht das Problem.

Es geht dabei darum, was genau "Diebstahl" ist und was nicht.

Mir ging es eher darum zu schauen, warum Diebstahl falsch ist (oder meistens falsch ist), also wie sich das philosophisch begründen läßt. 

Daß es dann hinterher im Gesetz entsprechend möglichst eindeutig beschrieben werden muß ist klar, aber nicht die Grundlage.

 

"Das ganze ist auch eine Sache des Standpunktes?"

Selbstverständlich. Aber im Gesetz kannst du diesen Unterschied nicht machen.

Deshalb auch die sozusagen "Letztbegründung" mit der "goldenen Regel": Denn es mag durchaus sein, daß jemand den eigenen Diebstahl als "nicht falsch" betrachtet, aber im umgekehrten Fall - wenn man also ihn beklaut - durchaus als "falsch" bezeichnen würde.

 

"Wobei sogar die Mehrheit auch falsch liegen kann, aber nicht muss."

Die Mehrheit kann falsch liegen, muß aber nicht, bedeutet aber, daß "die Mehrheit" keine sichere Maßgabe für "richtig" ist.

 

"Das macht, da es den Mundraub ja nicht mehr gibt, vor dem Gesetz die Sache ja nicht mehr unbedingt besser?"

"Mundraub" war auch als es den Begriff juristisch noch gab nicht straflos bzw. nur in speziellen Fällen (z.B. zw. Ehepartnern).

 

"Eventuell könnte man es ja der Gesellschaft möglich machen ein "besseres Leben" zu führen, das würde ggf. den Alkoholkonsum ( etwas) einschränken?"

Das wird ja auch getan und weil die persönliche Freiheit ein so hohes Gut bei uns ist, ist es auch die einzig übrigbleibende Handlungsmöglichkeit der Gesellschaft.

 

"Du weisst ja, wie das mit Gesetzen ist. Der eine hält sich daran, der andere (erst recht) nicht."

Überwiegend macht sich aber der, der sich nicht daran hält strafbar.

 

"Also müsste man der Gesellschaft die Grundlage für den übermäßigen Alkoholkonsum nehmen. Damit meine ich die Sorgen und Probleme der Leute versuchen zu verringern?"

Sicher. Das ist im Grunde die Aufgabe und Begründung des Staates in der sogenannten "westlichen" Welt.

Die Frage war aber, ob "übertriebender Alkoholkonsum ist falsch" im Gesetz stehen sollte und dann natürlich auch strafbewehrt sein sollte.

Bei uns ist es so, daß das nicht drin steht. Strafbar ist aber unter Umständen, was du unter Alkoholeinfluß tust. Fahren mit 1,5 Promille.

Es gibt sogar einen Paragraphen, der darauf abzielt. Denn eigentlich gehst du straffrei aus, wenn du "nicht zurechnungsfähig" zur Zeit der Tat warst. Was "rotzbesoffen" durchaus der Fall sein kann.

Aber du kannst dann bestraft werden, denn dafür gibt es §323a StGB. Zwar nicht für die eigentliche Tat, aber fürs in den Zustand versetzen. Und zwar in Ahnlehung an das Strafmaß, daß sonst angedroht wäre.

Das wäre sonst tatsächlich eine Lücke im Gesetz, die aber dadurch geschlossen ist.

 

Velgar

"Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtung zu finden"
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Ignition 45

Ignition

Grandmaster
463 posts

05/24/18, 06:05 pm
Post from Velgar 46 :

"Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?"

Hm... Was ist mit Sozialhilfeempfängern? Gut, das wäre etwas sehr …

(Nächste Überlegung, aber die ein andermal: Ist "der Wille des Volkes" immer zu befolgen?)

Beinahe spontane Idee:

"Millionen Fliegen können nicht irren, ---"

Mal abgesehen davon was "die Volkvertreter" sich ausgedacht haben, weniger im Philosophischen Sinne.

Die Philosophie "dahinter" könnte auch Hauptsächlich die Kohle jeden Monat auf den Konten der Vertreter sein. (Klar bestimmt nicht immer)

Worauf ich da hinauswill: Die (gesellschaftliche) Überlegung, was ins Gesetz soll und was nicht und auch, was garnicht hinein darf (Stichwort "Ewigkeitsklausel" im Grundgesetz, Art. 97 IIRC) ist eine philosophische, auch wenn es eher selten so genannt wird.

Und das ist alles noch nicht mal ein "weiter" Sinn von Philosophie. Das ist die Basis, wenn man so will.

Es wird nur meistens nicht so genannt.

ok. (Habe gerade mal geschaut, diese Klausel macht auch Sinn in meinen Augen)

Nur das noch:

"Ich bin übrigens gegen ALLE "Rauschmittel", egal ob sogenannt "Natürlich" oder "Synthetisch", die die Sinne (stark) beeinträchtigen können."

Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Koffein ist ein "Rauschmittel", ähnlich wie Nikotin. Aufputschmittel, um genau zu sein. (Deshalb finde ich auch den Trend hin zu E-Zigaretten oder "Dampfern" so gut. Denn was beim Rauchen umbringt, ist nicht das Nikotin, sondern der Teer. Und der ist im Dampf nicht drin...)

Alkohol ist in geringen Dosen durchaus nicht das Schlechteste.

Ja, ich weiß. Doch wir hatten es ja mit starkem Alkoholkonsum, willentlich? (Jetzt mal ohne Körperliche Beschwerden als Auslöser)

Auch das eine philosophische Frage: Welche "Rauschmittel" sind ok, unter welchen Bedingungen und warum?

Für mich ok, wenn nicht lösbare körperliche Beschwerden vorhanden sind.

Für mich nicht ok, wenn "Sinnfrei" zur "Belustigung", oder "Sorgenverdrängung dauerhaft", und "komm mach schon mit", wie bei Zigratten und Co. auch.

Die ethisch/moralische Frage - und damit philosophische - ist also, wie man damit umgeht. Einfache Antworten sind knifflig. Und fast immer falsch.

Und ich gehe mal davon aus, dass da der "Normalbüger" in der Regel nicht mal wüsste, wo er nun "den Hebel ansetzen" sollte, oder auch nicht?

 

"Um was sollte es sich bei ihrem Beitrag als Antwort zu dem vorangegangen Post handeln?"
Gar nicht so schwer, um Substanziell reduzierte, essentiell Antipragmatische Kunst. ;)
"Wie bitte?"
Ich hab einfach etwas hingeschmissen. :D

Ignition 45

Ignition

Grandmaster
463 posts

05/24/18, 05:49 pm (modified 05/24/18, 05:49 pm)
Post from Velgar 46 :

"Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?"

Hm... Was ist mit Sozialhilfeempfängern? Gut, das wäre etwas sehr …

"Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?"

Hm... Was ist mit Sozialhilfeempfängern? Gut, das wäre etwas sehr "weit" zu "ungefragt", aber du sieht, worauf ich hinaus will?

Ich weiß worauf du hinaus willst. Du willst ins kleinste Detail schauen. Deshalb auch der etwas komplizierte Satz von mir oben.

Es wäre "nicht erarbeitet" (Geld/Handlung/Tätigkeit) und nnnjeeee... irgendwie auch "ungefragt". Trotzdem ist es kein "Diebstahl".

Ich stelle nur in den Raum. Es ist fraglos kein "Diebstahl". Aber warum nicht? (Unterschied ist da, klar. Aber worin besteht der genau?)

Ich drösel meinen Satz mal auf:

Mit "ungefragt aneignen" meinte ich denjenigen, oder das "Unternehmen / Geschäft", der / das nicht gefragt wurde, ob ich etwas bekommen kann.

---> Diebstahl

-

Selbst erarbeitet, von mir gekauftes "Zubehör" und mitgenommen

---> kein Diebstahl

-

Nicht selbst erarbeitet, "Zubehör" von jemandem anders, aber: diesen "gefragt", und war "ok" und deshalb mitgenommen.

--- kein Diebstahl

-

Nicht selbst erarbeitet, "Zubehör" von jemandem anders, aber: diesen "gefragt", und war "nicht ok", und trotzdem mitgenommen.

---> Diebstahl

-

Gegen eine Dienstleistung "getauscht", und mitgenommen, beeinhaltet "gefragt", und war "ok".

---> kein Diebstahl

-

Gegen keine Dienstleistung getauscht, und mitgenommen, beeinhaltet "nicht gefragt".

---> Diebstahl

-

Gegen eine Gegenleistung getauscht, und mitgenommen, beeinhaltet "gefragt", und war "ok".

---> kein Diebstahl

-

Gegen keine Gegenleistung getauscht, und mitgenommen, beeinhaltet "nicht gefragt".

---> Diebstahl

-

Gegen Geld getauscht, benötigt keine Frage.

---> kein Diebstahl

-

Nicht gegen Geld getauscht, und mitgenommen, und nicht gefragt.

---> Diebstahl

-

Nicht gegen Geld getauscht, aber gefragt, und mitgenommen, war "ok".

---> kein Diebstahl

-

Aber genug davon, gehen wir weiter.

Ich persönlich würde mit der "Goldenen Regel" argumentieren. Ich will nicht, daß man mich bestiehlt, also ist Diebstahl in den meisten Fällen "falsch".

Da kommt mir gerade die Frage:

Für "mich", wenn ich bestohlen werde, kann das"falsch" sein.

Für den "anderen",den, der mich bestohlen hat, unter Umständen nicht zwingend "falsch".

Oder gar für eine ganze Gruppe, der engere Personenkreis des "Diebes", kann es entweder auch "falsch sein", oder auch nicht.

Das ganze ist auch eine Sache des Standpunktes?

Was ist "gut", was ist "schlecht", vor allem für wen, und auch noch "wann", zu welchem Zeitpunkt, vielleicht sogar noch "wo", plus "weshalb hat er dies oder jenes getan?".

Wobei sogar die Mehrheit auch falsch liegen kann, aber nicht muss. (Standpunkt plus Wissen über Details)

Und auch die Erweiterung der "Goldenen Regel": Was, wenn ich Sozialhilfe bräuchte? Die Idee also, daß "Plätze getauscht" werden können und es mir trotzdem "ok" geht. Also die Loslösung der "Goldenen Regel" von der Person.

Das macht, da es den Mundraub ja nicht mehr gibt, vor dem Gesetz die Sache ja nicht mehr unbedingt besser?

"Ok, es macht vermutlich einen Unterschied, ob ich ein "Grundnahrungsmittel" (Das sich eventuell auch ändern kann) stehle, oder ein "Luxusgut"?"

Das ist die Frage. Ich mache diesen Unterschied, du machst diesen Unterschied. Aber warum? Da hängts und das ist die philosophische Frage.

Denn "Grundnahrungsmittel" und "Luxusgut" unterscheiden sich durch die Verfügbarkeit und durch den Preis. Und wir sind wieder bei meiner schrägen (selbstverständlich schräg! Aber falsch?) Überlegung, daß wenn es am Preis hängt (und damit auch an der Verfügbarkeit), es in unserem Wirtschaftssystem am Aktienmarkt hängt.

Es hängt am eigenen "Standpunkt", ob, wann, wo, wieso ich den Standpunkt den ich habe vertrete.

Gründe für den eigenen Standpunkt gibt es ja unzählig viele?

"Klar darf so etwas nicht Straffrei ausgehen, doch der Vergleich"hinkt" doch gewaltig?"

Das ist Philosophie. Er hinkt, aus dem Bauch heraus. Aber woran hinkt er genau? "Bauchgefühl" ist kein Argument.

Wann ist das "Leben an sich" etwas wert?

Ab wann "darf" man etwas tun, oder bestimmen, dass das Leben des / der Betroffenen verlängert / verlängern kann?

"Ich weiß, finde es aber trotzdem "falsch". (Unabhängig davon ob sich irgendjemand danach -nicht- juckt.)"

Ich auch, aber die Frage ist, ob ich als Gesellschaft aktiv dagegen vorgehen darf oder nicht. Sprich: Kann ich den Säufer zwangseinweisen und entgiften? Bei uns ist die Antwort: Nein. Nicht gegen seinen Willen.

Ausser bei vergehen gegen andere?

Eventuell könnte man es ja der Gesellschaft möglich machen ein "besseres Leben" zu führen, das würde ggf. den Alkoholkonsum ( etwas) einschränken?

Und die wieder philosophische Frage, ob ein entsprechender Passus im Gesetz stehen sollte oder nicht.

Du weisst ja, wie das mit Gesetzen ist. Der eine hält sich daran, der andere (erst recht) nicht.

Also müsste man der Gesellschaft die Grundlage für den übermäßigen Alkoholkonsum nehmen.

Damit meine ich die Sorgen und Probleme der Leute versuchen zu verringern?

(Hilft natürlich ggf. herzlich wenig bei Liebeskummer, klar)

 

Zweiter Teil folgt.

"Um was sollte es sich bei ihrem Beitrag als Antwort zu dem vorangegangen Post handeln?"
Gar nicht so schwer, um Substanziell reduzierte, essentiell Antipragmatische Kunst. ;)
"Wie bitte?"
Ich hab einfach etwas hingeschmissen. :D

Velgar 46

Velgar

Myth
22,964 posts

05/22/18, 12:51 pm
Post from Ignition 45 :

"Ich komme gerade nicht darauf welcher genau. Hier im Thread?"

Meine Antwort war die hier, der eigentliche Post ist mittlerweile gelöscht.

Ok, deine Antwort kenne ich noch. War auch wirklich die passende Antwort auf den beant…

"Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?"

Hm... Was ist mit Sozialhilfeempfängern? Gut, das wäre etwas sehr "weit" zu "ungefragt", aber du sieht, worauf ich hinaus will?

Es wäre "nicht erarbeitet" (Geld/Handlung/Tätigkeit) und nnnjeeee... irgendwie auch "ungefragt". Trotzdem ist es kein "Diebstahl".

Ich stelle nur in den Raum. Es ist fraglos kein "Diebstahl". Aber warum nicht? (Unterschied ist da, klar. Aber worin besteht der genau?)

Ich persönlich würde mit der "Goldenen Regel" argumentieren. Ich will nicht, daß man mich bestiehlt, also ist Diebstahl in den meisten Fällen "falsch".

Und auch die Erweiterung der "Goldenen Regel": Was, wenn ich Sozialhilfe bräuchte? Die Idee also, daß "Plätze getauscht" werden können und es mir trotzdem "ok" geht. Also die Loslösung der "Goldenen Regel" von der Person.

 

"Ok, es macht vermutlich einen Unterschied, ob ich ein "Grundnahrungsmittel" (Das sich eventuell auch ändern kann) stehle, oder ein "Luxusgut"?"

Das ist die Frage. Ich mache diesen Unterschied, du machst diesen Unterschied. Aber warum? Da hängts und das ist die philosophische Frage.

Denn "Grundnahrungsmittel" und "Luxusgut" unterscheiden sich durch die Verfügbarkeit und durch den Preis. Und wir sind wieder bei meiner schrägen (selbstverständlich schräg! Aber falsch?) Überlegung, daß wenn es am Preis hängt (und damit auch an der Verfügbarkeit), es in unserem Wirtschaftssystem am Aktienmarkt hängt.

 

"Klar darf so etwas nicht Straffrei ausgehen, doch der Vergleich"hinkt" doch gewaltig?"

Das ist Philosophie. Er hinkt, aus dem Bauch heraus. Aber woran hinkt er genau? "Bauchgefühl" ist kein Argument. 

 

"Ich weiß, finde es aber trotzdem "falsch". (Unabhängig davon ob sich irgendjemand danach -nicht- juckt.)"

Ich auch, aber die Frage ist, ob ich als Gesellschaft aktiv dagegen vorgehen darf oder nicht. Sprich: Kann ich den Säufer zwangseinweisen und entgiften? Bei uns ist die Antwort: Nein. Nicht gegen seinen Willen.

Und die wieder philosophische Frage, ob ein entsprechender Passus im Gesetz stehen sollte oder nicht.

 

"Kommt auch darauf an, was genau die Leute unter "Philosophie" verstehen, die das ganze in Stein meißeln. (Die, die Gesetze verankern)"

Wahrscheinlich dürften die wenigsten solche Überlegungen "Philosophie" nennen, aber es ist schlußendlich eine philosophische Frage.

Und man muß momentan auch in der Gesellschaft den Fehler benennen, daß "der Wille des Volkes" nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was "die da oben" ins Gesetz schreiben.

Nimm mal die Kiste mit "gleichgeschlechtlicher Ehe". Ist jetzt durchgegangen, aber die Aufregung darum in der "politischen Kaste" (so nenne ich es mal) war groß und die wenigsten wollten sie haben von den "Spitzen" der Parteien.

Und nur, weil die Kanzlerin diese Abstimmung vom Fraktionszwang befreit hat und die "Spitzen" der Parteien nicht das Sagen hatten, ging es auch durch. Und das, obwohl der weitaus größte Teil der Gesellschaft sagte, daß das ok ist. Und glücklicherweise auch viele der "normalen" Abgeordneten, auch wenn Merkel, Seehofer und Kosorten am Liebsten da einen Fraktionszwang gehabt hätten, um das abzuschmettern.

(Nächste Überlegung, aber die ein andermal: Ist "der Wille des Volkes" immer zu befolgen?)

 

Worauf ich da hinauswill: Die (gesellschaftliche) Überlegung, was ins Gesetz soll und was nicht und auch, was garnicht hinein darf (Stichwort "Ewigkeitsklausel" im Grundgesetz, Art. 97 IIRC) ist eine philosophische, auch wenn es eher selten so genannt wird.

 

Und das ist alles noch nicht mal ein "weiter" Sinn von Philosophie. Das ist die Basis, wenn man so will.

Es wird nur meistens nicht so genannt.

 

 

Nur das noch:

"Ich bin übrigens gegen ALLE "Rauschmittel", egal ob sogenannt "Natürlich" oder "Synthetisch", die die Sinne (stark) beeinträchtigen können."

Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Koffein ist ein "Rauschmittel", ähnlich wie Nikotin. Aufputschmittel, um genau zu sein. (Deshalb finde ich auch den Trend hin zu E-Zigaretten oder "Dampfern" so gut. Denn was beim Rauchen umbringt, ist nicht das Nikotin, sondern der Teer. Und der ist im Dampf nicht drin...)

Alkohol ist in geringen Dosen durchaus nicht das Schlechteste.

Hängt auch davon ab, was ich davon haben will.

Morphin ist eine Droge, ohne Frage. Aber ein geiles Zeug, wenn richtig - medizinisch - angewandt.

Es gibt Menschen, die ohne Morphin keine Gräte rühren könnten. Und es gibt Süchtige. Nicht selten dieselben Leute.

Auch das eine philosophische Frage: Welche "Rauschmittel" sind ok, unter welchen Bedingungen und warum?

("Natürlich"/"Synthetisch" halte ich als Unterscheidung für Bullshit, übrigens.)

Das sind alles Überlegungen, die betrachtet werden müßen. Und auf die es keine einfachen Antworten gibt.

Die Antwort "alles verbieten" oder selbst "nur auf Rezept" ist ebenso falsch wie "alles erlauben".

Deutschland war lange Zeit mit dem geringsten Opiat-Verbrauch weltweit. Aber das war nicht gut, weil es bedeutet hat, daß viele, die solche knackigen Schmerzmittel gebraucht hätten, sie nicht bekamen.

Stichwort Clusterkopfschmerz: Was hilft ist das synthetische Fentanyl, ein Morphinderivat, wirkt 1000mal besser und das meine ich wörtlich: tausendmal. Aber nur, wenn du es so gibst, daß es schnell wirkt. Gibts als Nasenspray und als Lutscher. Kein Witz.

Aber ist ein Opiat, mit riesen Verwaltungsaufwand dahinter. Mit dem Resultat, daß es vor noch etwa 20 Jahren kaum gegeben wurde. Und wer mal jemand mit Cluster erlebt hat, weiß, was das bedeutet.

Die ethisch/moralische Frage - und damit philosophische - ist also, wie man damit umgeht. Einfache Antworten sind knifflig. Und fast immer falsch.

 

 

Velgar

"Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtung zu finden"
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Ignition 45

Ignition

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05/21/18, 05:57 pm
Post from Velgar 46 :

"Ich komme gerade nicht darauf welcher genau. Hier im Thread?"

Meine Antwort war die hier, der eigentliche Post ist mittlerweile gelöscht.

 

"Wenn man im "nicht individuellen" die "Ursache" sucht, warum es (etwas) "falsc…

"Ich komme gerade nicht darauf welcher genau. Hier im Thread?"

Meine Antwort war die hier, der eigentliche Post ist mittlerweile gelöscht.

Ok, deine Antwort kenne ich noch. War auch wirklich die passende Antwort auf den beantworteten Post. ;)

"Wenn man im "nicht individuellen" die "Ursache" sucht, warum es (etwas) "falsch" ist (oder auch nicht), dann könnte man zu den Ergebnissen (bedingt) kommen:"

Da wollte ich nicht drauf hinaus. Sondern die Frage, warum "stehlen" zumindest in den meisten Fällen ethisch moralisch nicht in Ordnung ist.

Kurz gesagt "stehlen" ist vermutlich ethisch moralsch in den meisten Fällen nicht in Ordnung, weil:

Ich mir (ungefragt) etwas aneigne, das ich mir nicht selbst erarbeitet, gegen eine Dienstleistung von mir, oder auch andere Gegenleistung (z. B. Geld) getauscht habe?

Und die Frage dabei war, ob es einen Unterschied macht, was ich zur Ernährung stehle. Stehle ich Kartoffeln oder stehle ich Austern?

Ok, es macht vermutlich einen Unterschied, ob ich ein "Grundnahrungsmittel" (Das sich eventuell auch ändern kann) stehle, oder ein "Luxusgut"?

Mit gestohlenem "Luxusgut" kann jemand i.d.R. nicht so viel Sättigung bei Hunger erreichen, wie bei einem "Grundnahrungsmittel"?

Wie das jetzt Rechtlich aktuell wohl aussieht?

https://de.wikipedia.org/wiki/Mundraub#Heutige_Rechtslage

Hmmm, ist schon "Witzig"! Es scheint wohl Heutzutage "egal" zu sein, ob ich einen Kugelschreiber zum Essen stehle, oder eine Kartoffel?

Klar darf so etwas nicht Straffrei ausgehen, doch der Vergleich"hinkt" doch gewaltig?

"Die "Grenze" ist in meinen Augen wenn sich jemand jedes Wochenende, oder auch zu diversen Gelegenheiten besäuft."

Ist aber erlaubt.

Ich weiß, finde es aber trotzdem "falsch". (Unabhängig davon ob sich irgendjemand danach -nicht- juckt.)

"Manches steht ja auch in Gesetzestexten, und wird nicht "nur" philosophisch "behandelt"?"

Aber die philosophische Betrachtung ist das, was man hinterher im Gesetz stehen haben will und was nicht.

Kommt auch darauf an, was genau die Leute unter "Philosophie" verstehen, die das ganze in Stein meißeln. (Die, die Gesetze verankern)

 

Abgesehen von der Legalität, insofern von Alkohol, bin ich doch mehr oder eher weniger stark amüsiert von der Tatsache, dass man "saufen könnte" bis man zu Tode kommt. (Bzw. eher amüsiert über die ganzen saudummen "Trinklieder")

"Trink, trink, Brüderlein trink, lass doch die Sorgen zuhaus---" ist eventuell auch ein Anreiz dafür den Alkohol weiter als "Legal" zu betrachten. Besser die Sorgen "wegsaufen" anstatt dagegen (gegen die Sorgen, EGAL welche) anzugehen.

Alkohol scheint sich gut zu verkaufen.

Ich bin übrigens gegen ALLE "Rauschmittel", egal ob sogenannt "Natürlich" oder "Synthetisch", die die Sinne (stark) beeinträchtigen können.

"Um was sollte es sich bei ihrem Beitrag als Antwort zu dem vorangegangen Post handeln?"
Gar nicht so schwer, um Substanziell reduzierte, essentiell Antipragmatische Kunst. ;)
"Wie bitte?"
Ich hab einfach etwas hingeschmissen. :D

Velgar 46

Velgar

Myth
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05/21/18, 06:49 am
Post from Ignition 45 :

"Mir ging es tatsächlich um das Gefasel darum, da bekomme ich einen dicken Kopf, und kann einfach nicht weiterlesen."

Viele Philosophen lesen sich auch so als wären sie auf Drogen und zwar die Sorte, die man nicht haben will...

"Ich komme gerade nicht darauf welcher genau. Hier im Thread?"

Meine Antwort war die hier, der eigentliche Post ist mittlerweile gelöscht.

 

"Wenn man im "nicht individuellen" die "Ursache" sucht, warum es (etwas) "falsch" ist (oder auch nicht), dann könnte man zu den Ergebnissen (bedingt) kommen:"

Da wollte ich nicht drauf hinaus. Sondern die Frage, warum "stehlen" zumindest in den meisten Fällen ethisch moralisch nicht in Ordnung ist.

 

"Das mit dem "Brot klauen" wäre doch vom Prinzip her "Mundraub", und ist ist etwas anderes als "normaler Diebstahl"?"

Seit 1975 gibt es "Mundraub" nicht mehr im Strafrecht. Es ist am Ende also "nur" Diebstahl.

Und die Frage dabei war, ob es einen Unterschied macht, was ich zur Ernährung stehle. Stehle ich Kartoffeln oder stehle ich Austern?

Denn wenn das einen Unterschied macht, warum tut es das? Und woran hängt der? Es wird schwierig einen qualifizierten Unterschied zu finden, der nicht am Ende auf den Preis der Nahrungsmittel hinausgeht. Mit der Konsequenz, daß in einer Welt mit sich änderndem Warenwert gegebenenfalls sogar die Aktienmärkte bestimmen könnten, wann es ethisch/moralisch vertretbar ist ein Nahrungsmittel zu stehlen oder auch nicht.

Oder nimm was anderes. Nimm nicht Austern. Nimm Hummer. Für uns eine Delikatesse, ja? Aber vor 100 Jahren an der Ostküste der USA war das ein Armenessen. (IIRC). Also wäre damals der "Mundraub" eines Hummers ok, heute und bei uns aber nicht. Wenn man wirklich einen Unterschied zwischen dem oben genannten Brot und den Austern macht. (Was man schon sollte, aber ausser dem Warenwert und dem "Image" des Nahrungsmittels - letzteres schwierig zu quantifizieren - wüßte ich nicht, welchen)

 

"Die "Grenze" ist in meinen Augen wenn sich jemand jedes Wochenende, oder auch zu diversen Gelegenheiten besäuft."

Ist aber erlaubt.

 

"Ich finde, das es doch unserem Zeitalter entsprechende Antworten geben könnte."

Wenn es überhaupt eine Antwort gibt und nicht immer wieder neu bewertet werden muß.

Aber wenn es eine Antwort gibt, kann es auch sein, daß die uns nicht gefällt. Wie die Aktienkurse bestimmen, was ethisch/moralisch vertretbarer Mundraub ist und was nicht. 

 

"Manches steht ja auch in Gesetzestexten, und wird nicht "nur" philosophisch "behandelt"?"

Aber die philosophische Betrachtung ist das, was man hinterher im Gesetz stehen haben will und was nicht.

 

Velgar

"Den Irren erkennt man an der Freiheit, die er sich gegenüber der Beweispflicht nimmt, an der Bereitschaft, überall Erleuchtung zu finden"
Umberto Eco: "Das Foucaultsche Pendel"

Ignition 45

Ignition

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05/20/18, 08:10 am (modified 05/20/18, 08:11 am)
Post from Velgar 46 :

"Mir ging es tatsächlich um das Gefasel darum, da bekomme ich einen dicken Kopf, und kann einfach nicht weiterlesen."

Viele Philosophen lesen sich auch so als wären sie auf Drogen und zwar die Sorte, die man nicht haben will...

"Mir ging es tatsächlich um das Gefasel darum, da bekomme ich einen dicken Kopf, und kann einfach nicht weiterlesen."

Viele Philosophen lesen sich auch so als wären sie auf Drogen und zwar die Sorte, die man nicht haben will...

So wie dieser Post vor ein paar Tagen, den ich dann zusammengestaucht habe. Vielleicht erinnerst du dich.

Ich komme gerade nicht darauf welcher genau. Hier im Thread?

"Ich stehle nicht weil ich es für falsch halte, und es mir es teilweise auch unangenehm wäre überhaupt erst daran zu denken."

Aber du verstehst, daß das die Frage, warum es falsch ist, nicht beantwortet?

Ja, ich verstehe.

Wenn man im "nicht individuellen" die "Ursache" sucht, warum es (etwas) "falsch" ist (oder auch nicht), dann könnte man zu den Ergebnissen (bedingt) kommen:

* Vererbungsgrund / teilweise (Ausprägung der individuellen persönlichen Art, grob "weitergegeben")

* Erziehungshintergrund (Prägung / teilweise)

* Erfahrungshintergrund (Über die Zeit gesammelte Erfahrungen, (teilweise) positiv oder auch negativ)

Wenn man das auf (Mono-) Theistisch geprägte Menschen überträgt, wie du auch bereits beschrieben hast, dann wird es für mich genauso Fragwürdig wenn es heisst "Gott will das (nicht)!". Andererseits ist der Mensch doch ein Herdentier und reagiert gern auf andere Menschen. Und das auch bei Nicht-Theistischer Einstellung. Wenn einer (eine "Leitfigur") grölt "Da seht, da ist einer der hat etwas falsches getan" und die Menschen hören ggf. auf ihn. Besonders wirksam natürlich, wenn derjenige tatsächlich etwas getan hat, was "der Masse" gegen den Strich geht. Ob das "falsch" oder am Ende sich als doch "richtig" heraus stellt, darum geht es mir dabei gerade im Moment nicht, sondern um das Prinzip der "Fremdsteuerung". Der / die eine will jemanden, eine einzelne Person, der ihm / ihr etwas sagt, und der / die andere nicht. Ich lasse mir zum Teil etwas, oder auch mal  "vom Pferd", erzählen, doch wie ich darauf reagiere, oder auch mich danach richte ist individuell und Situationsbedingt betrachtbar. Auch ich Hinterfrage manchmal gern, Wie man auch hier im Thread oft bemerkt. Nur leider fehlt oft "vernünftiges Futter" um überhaut erst schreiben "zu können". Oft hat sich das ganze auch mit einem kurzen Wortwechsel (für mich) aufgelöst. (Was aber nicht immer "Schade" ist)

"Selbst wenn es der Diebstahl sogar eine Person betreffen würde die ich nicht leiden kann, oder auch es sie vom monetären Aspekt nie jucken würde."

Richtig! Das ändert es nicht.

Aber ändert "Stehlen, um meine Familie zu ernähren" die Geschichte? Wenn ich dann von Leuten stehle, die es geldmäßig nie merken?

Oder ändert es etwas, WAS ich stehle? Stehle ich Brot um meine Familie zu ernähren oder stehle ich Austern und Champagner? (Mal ab davon, daß ich Austern nicht mag... und Champagner auch nicht, übrigens.)

Austern stehlen von reichen Leuten hat vielleicht weniger "monetäre" Konsequenzen für den Bestohlenen als Brot, je nachdem, wer bestohlen wird. 

Das mit dem "Brot klauen" wäre doch vom Prinzip her "Mundraub", und ist ist etwas anderes als "normaler Diebstahl"?

"Wenn ich etwas "falsches" tue, und damit zig Menschen (evtl. der Mehrheit) das Leben rette, ist es dann wirklich "falsch" gewesen? (Kommt auch auf den Zusammenhang an, und / oder WAS ich genau getan habe)"

Genau! Darauf wollte ich hinaus. Der Kontext macht die Musik. Da es Konstellationen gibt, in denen "Stehlen" oder "Umbringen" nicht per se "schlecht" ist, kann es nicht "absolut böse" sein.

Genau wie du sagst: Es kommt auf den Zusammenhang an.

Und wenn wir da also sagen, daß es keine Handlung gibt, die in jedem Fall und immer (i.e. "absolut") böse ist, dann erübrigt sich auch die Frage, woher diese Einteilung kommt und damit auch die Frage, die von Gläubigen hin und wieder in solchen Diskussionen kommt.

Also ich sehe das etwas Problematisch, und ggf. im Einzelfall als Diskussionswürdig, egal ob Theistisch eingestellt, oder auch nicht.

Wenn der-, oder diejenige nicht irgendwelchen Schwachsinn verzapft, und zumindet für mich interessante Ansichten z. B. zu spezifischen Einzelfällen hat.

"Merkwürdige Welt kann man vom Prinzip nicht sagen, sondern eher "schräge Gestalten" die einerseits "zu Tode saufen wollen" dulden, und andererseits "will Gift schlucken" nicht."

Ist jetzt gar nicht so abgefahren.

"Gift schlucken" liegt näher an einer geistigen Krankheit als "sich zu Tode saufen".

Ist nicht einfach und auch in der Praxis nicht immer klar zu sagen. Rechtlich erlaubt nur die akute Selbstgefährdung die Zwangseinweisung. Nicht jedoch die langfristige.

Denn auch "klettert auf den Mount Everest" ist eine Selbstgefährung. Und nicht mal eine harmlose.

Also die wieder philosophische Frage: Wo ist die Grenze und warum? Können wir das irgendwie ausformulieren?

Die Extrempunkte sind dabei "jeder wie er will" und "jeder der sich in Gefahr bringt, muß davon abgehalten werden".

Die "Grenze" ist in meinen Augen wenn sich jemand jedes Wochenende, oder auch zu diversen Gelegenheiten besäuft.

Bei mir persönlich ist die Grenze bereits bei Computerspielen erreicht, wenn man das ständig, oder auch öfters macht.

Ich habe bei "Philosophische Fragen" das da dazu geschrieben:

"Ist es eine Flucht aus "unserer Realität" wenn jemand in die Virtuelle Realität (Auch Spiele an sich) flüchtet, und / oder berauschende Substanzen (egal welcher Art) zu sich nimmt, um alles etwas anders zu sehen?"

Ab wann, und für vor allem für WEN, ist es ist eigentlich ein "Problem" wenn jemand etwas tut, oder lässt? (Frage wie von dir, nur anders formuliert)

Wohlgemerkt, das sind Fragen, auf die ich so aus dem Stand auch keine Antworten habe. Aber eben philosophische Fragen, die nach einer Antwort schreien und die aber dennoch auch im Wandel sind und meinem Dafürhalten nach auch keine endgültige Antwort haben.

Ich finde, das es doch unserem Zeitalter entsprechende Antworten geben könnte. (Zumindest für "uns" beide??) 

Manches steht ja auch in Gesetzestexten, und wird nicht "nur" philosophisch "behandelt"?

"Um was sollte es sich bei ihrem Beitrag als Antwort zu dem vorangegangen Post handeln?"
Gar nicht so schwer, um Substanziell reduzierte, essentiell Antipragmatische Kunst. ;)
"Wie bitte?"
Ich hab einfach etwas hingeschmissen. :D