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Overview / Gesellschaft & Kultur

Gedichte - welche sprechen Euch an?

  • 272 Posts
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Newbie
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03/31/18, 10:24 am (modified 03/31/18, 01:12 pm)

 

Oh Herz, oh Stern: vor oder quer geschoben
im Schach der Nacht, bald kühn, bald zögernd nur,-
in kleinen Siegen manchmal hingehoben
über des Turms verlorene Figur:

oh daß Du noch in diesen Spielen weilst,
auf Feldern von Unsäglichkeit und Sagnis
und, das wir spielen, der Gestalten Wagnis,
Du, immer Mitgewagte, mit mir teilst:

Auf meiner Sternenkarte such ich wieder
Dich und den graden weltischen Bezug,
der aus der starken Stellung Deiner Lieder
selbst in mein Schweigen Räume niederschlug.

Selig das Herz, das einen Stern bedeutet,
wenn es sich aus sich selber rein erregt:
oh heile Jagd: der Tierkreis wird erbeutet
von einem Stern, der Jagd im Namen trägt.

(Rainer Maria Rilke)

 

Eine große Erklärung braucht es hier gewiss nicht: jeder darf gern auch dazusetzen, warum ihm sein Lieblingsgedicht so gefällt, aber einfach nur reinstellen (mit Angabe des Dichters!) ist auch ok. :)

 

Fay1 55

Fay1

Superkwickie
4,770 posts

05/18/19, 01:48 pm

 

6388204649943386590.jpg

 

Bunt is anders

A Blumenwiese, a Schmetterling,
a Regenbogen, a Clownskostüm,
wenns bunt is, is nie ollas gleich
de Farben mochand s’Lem erst reich.
Wos bunt is, mei, des mocht uns froh!
– Bist sicher, is des wirklich so?
“Bunt” heißt vielfältig, anders, fremd,
do is so Mancher schnell gehemmt.
Des guit bei Farben und im Lem
des is ned immer angenehm.

In Modefarben muaßd ummananda laffa
und jeds Jahr neie Gwandda kaffa.
Wos In is, ja, des muaß ma wissn,
sonst werd se glei s’Maul über oan zrissn.
A Rocker oder goa a Punk!
– des is für unsa Stod a Schand!
De anda hod frede a Kopfdiachl drauf,
des geht fei ned, wia schaut des aus!
So sein wia de andan, des is unsa Ziel
und koana hod mehr sein eigenen Stil

De Werbung sogt uns, wos uns gfoid:
Mia bleima schlank und wern ned oid.
Im Fitnessstudio kämpf ma um jedes Pfund,
do duad ma mid, weil des is gsund.
Ned negativ auffoin, des is unsa Motto,
sonst hod d’Heidi Klum für uns leider koa Foto.
Mia färben, spachteln, schmiern und schnippeln
an Lippen, Nase, Arsch und Titten.
Bloß dass ma ausschaun, wia olle andan,
weil ma uns sonst für uns seiba schammand.

In da Schui werd “Individualität” groß geschrieben.
Grammatikalisch richtig, da Inhalt is auf da Streck geblieben.
Individuen, de sand gar ned gfragt –
Dreißig Schüler im 45-Minuten-Takt.
Es guit nix, wos konnst wirklich guad,
Lern des, dua des, wos jeder duad.
De Flüsse in Afrika, ja, de sand wichtig,
wurscht is, wia schreib i an Behördenbriaf richtig.
Und wenn ma no vui gnua Druck aufbaut,
schafft mas, dass se koana mehr seiba denga draut.

In da Politik is grod a so,
des hert se ollas recht bunt o.
Rote, Schwoaze, Greane, Geibe,
und irgendwie doch ois des Seibe.
Do gibt’s koan Standpunkt, koa Profil,
a jeder draht se, wie er will.
Konsenslösung, Kuschelkurs,
Fraktionszwang und der ganze Murks.
De Mitt verblasst im Einheitsbrei,
ganz rechts, ganz links wern stoag dabei.

Im Fasching aber, do geht’s rund!
Do gfoids uns plötzlich, gscheggad und bunt.
Da Stripper knutscht de Krankenschwester,
d’Fee sauft mim Deife, a ned besser.
Da Scheich, der hod a Hex am Schoß,
de Toleranz is grenzenlos.
Fast naggad oder voll verschleiert,
wurscht, es werd mitananda gfeiert.
Fad wärs, wärn plötzlich olle gleich,
de Vielfalt mocht an Fasching reich.

Und s ganz Johr moch ma so a Gschieß,
bloß weil da anda anderst is?

 

©KB

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Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Fay1 55

Fay1

Superkwickie
4,770 posts

05/08/19, 03:17 am

Die blaue Blume

Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au'n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

 

Joseph von Eichendorff

 

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 Foto @Fay1

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Fay1 55

Fay1

Superkwickie
4,770 posts

04/26/19, 06:24 pm (modified 04/26/19, 06:25 pm)


Frühlingsnacht
(Joseph von Eichendorff)

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn,
Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt's schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mir's doch, als könnt's nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen's,
Und in Träumen rauscht's der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen's:
Sie ist Deine, sie ist dein!

 

 

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Fay1 55

Fay1

Superkwickie
4,770 posts

04/23/19, 04:30 am

 

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Gestörte Einsamkeit


Allein im Freien sitzt du still
Und lauschest der Natur
Du willst gern hören, was sie will
Dir sagen, und das bei Sonne pur.

Und plötzlich hörst du ein Gebrummel
Es fliegt ganz dicht an dir vorbei
Es ist die große, schwarze Hummel
Sie sucht nur Nektar, eins zwei drei.

Sie stört dich kaum mit dem Gebrumm
Wenn du genießest die Natur
Nur einmal fliegt sie um dich rum
Fort ist sie ohne jede Spur.

Sie setzt sich auf das bunte Blatt
Ganz dicht vor dir, du kannst sie sehn
Sie saugt den Nektar - nun ist sie satt
Und wird nach Hause wieder gehn.

Und du kannst weiter nun genießen
Die Ruhe bei warmen Sonnenschein
Lass deine Gedanken wandern und sprießen
Du bist erneut für dich allein.

 

- Ludwig Strunz -

 

 

 

Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Brezelking 49

Brezelking

Halbgott
6,687 posts

04/18/19, 05:03 pm

Ostergedicht

Wenn die Schokolade keimt,
wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
›Glockenklingen‹ sich auf ›Lenzesschwingen‹
endlich reimt,
und der Osterhase hinten auch schon presst,
dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, 
dann mit jenen Dichterlingen
und mit deren jugendlichen Bräuten
draußen schwelgen mit berauschten Händen
ach, das denk ich mir entsetzlich,
außerdem – unter Umständen –
ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingwärme
durch geheime Gänge und Gedärme
in die Zukunft zieht,
und wie dankbar wir für solchen Segen
sein müssen.
Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
die so langgezogene Kugeln legen.

Joachim Ringelnatz

Wenn der Ostlamismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: "Ich bin der Ostlamismus."
Nein, er wird sagen: "Ich bin die Deutsche Einheit!"

Ison 32

Ison

Dinosaurier
13,801 posts

04/09/19, 02:53 pm
Ich bin ich und du bist du.
Wenn ich rede hörst du zu.
Wenn du sprichst, dann bin ich still,
weil ich dich verstehen will.o
Wenn du fällst, helf ich dir auf,
und du fägst mich, wenn ich lauf.
Wenn du kickst, steh ich im Tor,
pfeif ich Angriff schießt du vor.
Spielst du pong, dann spiel ich ping,
und du trommelst, wenn ich sing.
Allein kann keiner diese Sachen,
zusammen können wir viel machen.
Ich mit dir und du mit mir -
das sind wir.
"Schmeichler sind Katzen, die vorne lecken, aber hinten kratzen"

Schau mich nicht in diesem Ton an ^^

Brezelking 49

Brezelking

Halbgott
6,687 posts

04/01/19, 08:25 am

Heinz Erhardt
Die polyglotte Katze

Die Katze sitzt vorm Mauseloch,
in das die Maus vor kurzem kroch,
und denkt:"Da wart nicht lang ich,
die Maus, die fang ich!"

Die Maus jedoch spricht in dem Bau:
"Ich bin zwar klein, doch bin ich schlau!
Ich rühr mich nicht von hinnen,
ich bleibe drinnen!"

Da plötzlich hört sie - statt"miau" -
ein laut vernehmliches"wau-wau"
und lacht:"Die arme Katze,
der Hund, der hatse!
Jetzt muß sie aber schleunigst flitzen,
anstatt vor meinem Loch zu sitzen!"

Doch leider - nun, man ahnt’s bereits -
war das ein Irrtum ihrerseits,
denn als die Maus vors Loch hintritt -
es war nur ein ganz kleiner Schritt -
wird sie durch Katzenpfotenkraft
hinweggerafft! - - -

Danach wäscht sich die Katz die Pfote
und spricht mit der ihr eignen Note:
"Wie nützlich ist es dann und wann,
wenn man ’ne fremde Sprache kann...!"

Wenn der Ostlamismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: "Ich bin der Ostlamismus."
Nein, er wird sagen: "Ich bin die Deutsche Einheit!"

Fay1 55

Fay1

Superkwickie
4,770 posts

03/20/19, 05:48 am

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 Frühlings Ankunft

Grüner Schimmer spielet wieder
Drüben über Wies' und Feld.
Frohe Hoffnung senkt sich nieder
Auf die stumme trübe Welt.
Ja, nach langen Winterleiden
Kehrt der Frühling uns zurück,
Will die Welt in Freude kleiden,
Will uns bringen neues Glück.

Seht, ein Schmetterling als Bote
Zieht einher in Frühlingstracht,
Meldet uns, dass alles Tote
Nun zum Leben auferwacht.
Nur die Veilchen schüchtern wagen
Aufzuschau'n zum Sonnenschein;
Ist es doch, als ob sie fragen:
»Sollt' es denn schon Frühling sein?«

Seht, wie sich die Lerchen schwingen
In das blaue Himmelszelt!
Wie sie schwirren, wie sie singen
Über uns herab ins Feld!
Alles Leid entflieht auf Erden
Vor des Frühlings Freud' und Lust –
Nun, so soll's auch Frühling werden,
Frühling auch in unsrer Brust!

 

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
(ca. 1827)
Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.

Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
und dann kann ich auch, wenn ich muss.

Denn schließlich: Die können sollen,
müssen auch wollen dürfen.

Brezelking 49

Brezelking

Halbgott
6,687 posts

03/20/19, 01:52 am

Er ist's

Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
—  Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab' ich vernommen!

Eduard Mörike
Wenn der Ostlamismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: "Ich bin der Ostlamismus."
Nein, er wird sagen: "Ich bin die Deutsche Einheit!"