Zurück zur Übersicht »Weitere Artikel
Montag, 01.02.2010
KWICK! CD-Tipp: Get Well Soon - "Vexations"Deutsche Musik ist momentan im Ausland so angesagt wie selten. So stürmen Tokio Hotel beispielsweise weltweit die Charts und landen sogar in Frankreich oder Israel Hits, obwohl dort deutsche Musik ansonsten beinahe totgeschwiegen wird. Konstantin Gropper aus Biberach alias Get Well Soon schafft das ebenfalls – allerdings auf Kritikebene. Nun erschien vor einigen Tagen mit "Vexations“ das zweite Album des "German Wunderkind“. Selbstverständlich hat das KWICK! Magazin es für Euch angehört. ![]() Get Well Soon ging das Projekt "2. Album" sehr stoisch an. Quelle: City Slang Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, als Groppers erstes Album "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon“ in der internationalen Indie-Szene einschlug und fast alle wichtigen Musikmagazine der westlichen Hemisphäre zu euphorischen Jubelstürmen bewegte. Und das geschah vollkommen zu Recht. Seine melodisch wie textlich klugen und immens vielfältig instrumentierten Popsongs konnten wohl niemanden kaltlassen, der dazu bereit war, dieser Platte für ein paar Durchläufe seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
In nur zwei Monaten fertiggestellt Die nächste Zeit verbrachte Get Well Soon mit ausgiebigen Konzertreisen und legte nebenher noch eine EP sowie zwei Stücke für den Score zu Wim Wenders‘ "Palermo Shooting“ vor. Für seine neuen Songs nahm sich der 27-jährige Wahlberliner dagegen relativ wenig Zeit. Innerhalb von gerade einmal zwei Monaten war der Entstehungsprozess von "Vexations“ abgeschlossen, inklusive einer ausgeklügelten konzeptionellen Ausrichtung. Denn Groppers zweites Album verschreibt sich ganz der philosophischen Richtung des Stoizismus, also der Lehre von Gelassenheit, Ruhe und der Zurückhaltung von Emotionen. Gruß aus dem oberschwäbischen Wald Ohne Frage ist das harter Tobak, und dem weiter nachzugehen, würde aus dieser Plattenkritik eine philosophische Abhandlung machen. Deswegen nun zur Musik. Das Intro heißt "Nausea“, auf Deutsch in etwa "Übelkeit“ oder auch "Erbrechen“. Wer jetzt vom Titel auf den musikalischen Inhalt schließen möchte, wird jedoch überrascht, denn das Stück beginnt mit Sprechgesang, untermalt von friedlichen Waldgeräuschen, die Konstantin Gropper angeblich in einem Waldstück hinter seinem Elternhaus aufgenommen hat. Diese Szenerie mündet in einem von Streichern und anderen Saiteninstrumenten instrumentierten Walzer. Schon alleine diese drei Minuten zeugen von Groppers enormen musikalischen Fähigkeiten. Mit opulentem Volldampf Nicht ganz so getragen daher kommen "Seneca’s Silence“ und "We Are Free“, die nächsten beiden Titel. Bei aller Atmosphäre sorgt hier ein Schlagzeugbeat für reichlich Dampf, ergänzt durch den Einsatz von Marimbaphon bzw. einem Bläserensemble. Hinzu kommt noch ein weiblicher Hintergrundchor, der beiden Stücken die typische Bedeutungsschwere und Opulenz verleiht. Wie aus tiefen Gräbern Sehr viel Bedeutungsschwere weist auch "5 Steps / 7 Words“ auf, das durch Schlagzeug und Bläser einen pompösen Marschrhythmus verpasst bekommt. Dazu kommt Groppers Stimme, die durch die dumpfe Abmischung mehr denn je danach klingt, als würde sie aus einer tiefen Gruft auf dem Wiener Zentralfriedhof kommen. Vor allem dieser Akzent macht den Titel beinahe schon zu einer Totenmesse. Ähnliches gilt für "Werner Herzog Gets Shot“. Diesen Titel widmet Get Well Soon einem der größten Stoiker unserer Zeit. Wie sonst hätte der Regisseur ein halbes Dutzend Filme mit Klaus Kinski überstehen können? Schwere Kost Dazwischen tummeln sich eine ganze Reihe eher getragener Stücke, von denen "Red Nose Day“ hervorgehoben werden sollte. Denn die zärtlich gezupfte Akustikgitarre sorgt dafür, dass dieser Titel weitgehend außergewöhnlich leicht wirkt, bevor ein Überbau aus Streichern und Vibraphon hinzukommt. Die meisten anderen ruhigen Titel, zum Beispiel "A Voice In The Louvre“ oder das Zwischenspiel "We Are Still“ sind dagegen gelegentlich so beladen, dass sie ein wenig schwer zu verdauen sind. Dieser Eindruck dominiert immer mehr, lediglich durchbrochen durch "We Are Ghosts“, das im Refrain sehr schmissig und eingängig daherkommt und so in der zweiten Albumhälfte für ein wenig Abwechslung sorgt. Was bleibt? Denn daran fehlt es "Vexations“ gelegentlich ein wenig. Während die Platte bis zum Zwischenspiel sehr abwechslungsreich und fordernd ist, flacht der gute Eindruck danach leider ein wenig ab. Möglicherweise ging Konstantin Gropper – konsequent seinem Konzept folgend – vielleicht doch etwas zu gelassen und stoisch an die Sache ran. Get Well Soon - "Vexation" Wertung: 7/10 Anspieltipps: Seneca's Silence / Red Nose Day / 5 Steps/7 Swords / We Are Ghosts Tracklist: Nausea / Seneca's Silence / We Are Free / Red Nose Day / 5 Steps/7 Swords / We Are Still... / A Voice In The Louvre / Werner Herzog Gets Shot / That Love / Aureate! / We Are Ghosts / A Burial At Sea / Angry Young Man / We Are The Roman Empire Label: City Slang
Autor: Martin 30 Kommentare (9)
also ich mag get well soon und cd kritiken sind immer spannend zu lesen :)
|
|