Freitag, 06.03.2009

KWICK! Interview: Sandra Cretu

Sie ist nicht Herbert Grönemeyer, bei dem es "nur auf die Texte ankommt“, und der will sie auch gar nicht sein. Sandra möchte die Menschen einfach nur unterhalten und bezeichnet sich nebenher selbst ohne falsche Bescheidenheit als "die Stimme der Achtziger“. Völlig zu Recht. Die Ex-Frau von Hit-Produzent Michael Cretu hat die endgültige Emanzipation vom Gatten schon 2007 mit ihrem Comeback-Album "The Art Of Love" vollzogen und sich damit buchstäblich "die Seele aus dem Leib gekotzt“, wie sie im KWICK! Interview verriet. Jetzt legt die Mutter von zwei Kindern mit ihrem neuen Album "Back To Life“ nach. Und der Titel scheint absolut wörtlich gemeint zu sein.


s
Sandra ist "Back to life"
Quelle: Virgin Records
"Ich war ein Vögelchen im goldenen Käfig"

Die Sprechstimme der Ikone der Achtziger klingt überraschend rauh, oder vielmehr "crispy", wie Sandra selbst bei unserem Treffen einräumt. "Mittlerweile muss ich schon ziemlich üben, um immer noch so hoch zu singen wie früher. Aber da kann man sich hinarbeiten, das ist kein Problem", erklärt sie gut gelaunt. Überhaupt wirkt die 46-Jährige fröhlich und ausgeglichen. "Mein ganzes Lebensgefühl hat sich verändert", beschreibt sie den Entstehungsprozess ihrer neuen Platte. "Beim ersten Album hatte ich mich gerade von Michael getrennt und zum ersten Mal die Texte selbst geschrieben. Er hatte immer zu mir gesagt 'Schuster, bleib bei deinen Leisten und lass das die anderen machen', aber damals war ich eben in einer Situation, wo ich mir alles vom Herzen geschrieben, meine ganze Seele ausgekotzt habe. Das  erste Album war sozusagen meine Psychotherapie. Ich war zu dieser Zeit nur Zuhause und habe 24 Stunden durchgearbeitet, um mich abzulenken. 'Back to life' war dagegen ein richtiges Spaß-Album!" erklärt sie weiter. "Michael hat mich immer ein bisschen zu sehr zurück gehalten. Ich war ein Vögelchen im goldenen Käfig. Aber jetzt geht es raus aus der Einsamkeit!"


"Ich möchte den Deutschen nichts aufdrücken"

Und das scheint sowohl musikalisch als auch privat der Fall zu sein. Ihr neuer Freund Olaf Menges scheint ihr die Freiheiten zu gewähren, die ihr langjähriger Ehemann, Produzent und Enigma-Chef Michael Cretu ihr offenbar nicht geben konnte. "Michael wollte später nur, dass ich Zuhause bei den Kindern bleibe. Olaf unterstützt mich jetzt, indem er mich dazu ermutigt, Live-Auftritte zu machen. Ich plane diesmal eine richtige Welttournee – Asien, Südamerika, Arabische Emirate, denn von dort kommen sehr viele Anfragen. In Deutschland ist das anders, manchmal habe ich das Gefühl, die wollen das gar nicht so sehr. In Japan fülle ich Hallen mit 40.000 Menschen, doch die kriege ich hierzulande bestimmt nicht zusammen", lacht sie unbekümmert. Woran könnte das liegen? Sollten gerade die Deutschen nicht stolz darauf sein, eine so berühmte Sängerin hervor gebracht zu haben? "In Deutschland wird immer viel zuviel rumgrechnet und dein Album muss mindestens in den Top Five gewesen sein. In Asien kommen sie in Scharen zu den Konzerten, einfach weil ich da bin! Weil sie mich kennen! Aber ich möchte den Deutschen da gar nichts aufdrücken, vielleicht wissen die gar nicht, was für gute Entertainer sie teilweise haben".


sa
Selbstbewusst und Energie geladen
Quelle: Virgin Records
Zufällige Zusammenarbeit mit Thomas Anders

Und damit meint die "Maria Magdalena"-Sängerin nicht etwa nur sich selbst. Auf ihrem Album gibt es nämlich eine besondere Überraschung für alle Kinder der Achtziger: Für das Duett "The Night Is Still Young" hat sie keinen geringeren als Ex-Modern-Talking-Star Thomas Anders mit ins Studio geholt, den sie als die "führende männliche Stimme der Achtziger" bezeichnet . "Die Zusammenarbeit mit Thomas hat sich durch Zufall ergeben", erinnert sich Sandra. "Wie ich hat er ein Haus auf Ibiza und wir trafen uns, als wir beide gerade am Strand waren. Die Idee mit dem Cover kam dann von Olaf. Thomas überlegte kurz und sagte: 'Das habe ich zwar noch nie gemacht – aber mit dir sofort!' Wir sind ins Studio gegangen, ich habe ihm den Text gegeben, er hat sich zehn Minuten zurück gezogen und dann hat er das gesungen und es war sofort perfekt!" erzählt sie lachend.  "Das wird die zweite Singleauskopplung aus dem Album werden", verrät sie außerdem.


"Ich kriege meine Jungs nicht dazu, mal eine Band zu gründen!"

Sandra kann mittlerweile auf über 30 Jahre Musikerfahrung zurück blicken. Richtig durch startete sie als 16-Jährige in der Girl-Band "Arabesque", mit der sie in Japan zu einem waschechten Superstar avancierte. Und sie erinnert sich noch genau an ihren ersten Auftritt in Asien. "Wir standen da zu dritt auf der Bühne, den Rücken zum Publikum. Als wir uns umdrehten, hat uns fast der Schlag getroffen. Da waren plötzlich 70.000 Menschen in der Halle! So was hatte ich in meinem Leben noch nicht gesehen. So riesige Hallen kennt man hier in Deutschland ja auch gar nicht, höchstens in Fußballstadien". Mittlerweile ist sie zweifache Mutter, ihre Zwilingssöhne Nikita und Sebastian sind 13 Jahre alt. "Die fangen schon an, den Mädchen hinterher zu schauen", lacht Sandra. Und was ist mit der Musik? Verpflichtet es die Kinder von zwei musikalischen Superstars eigentlich, in die Fußstapfen der Eltern zu treten? "Nikita spielt sehr gut Schlagzeug und Sebastian Bass und E-Gitarre", verrät Sandra. "Ich krieg die aber nicht richtig dazu, mal eine Band zu gründen. Sie gehen auf ein englisches Internat und bekommen dort eingebleut, dass man Musik nur als Hobby machen kann, weil man damit kein Geld verdient - so ein Blödsinn", empört Sandra sich und streicht ihre lange Lockenmähne aus dem Gesicht. Doch eine übertrieben ehrgeizige Mutter sei sie auch nicht: "Wir haben den Kindern nicht gesagt, ihr müsst jetzt auch Musiker werden, sondern dachten, wenn die das wollen, dann kommen sie schon von selbst."


co
Ihre erste Single "In a Heartbeat" erscheint am 06.03.2009
Quelle: Virgin Records
"Da ist wieder Power und Energie dahinter"

Für die Mutter der beiden Jungs hat sich diese Frage allerdings nie gestellt. Denn einen anderen Beruf als "auf der Bühne zu stehen" konnte Sandra sich nicht vorstellen. "Vielleicht hätte ich im Theater gespielt, das war auch so ein kleiner Traum von mir, aber es musste auf jeden Fall mit der Bühne zu tun haben. Das mit der Singerei hat sich dann per Zufall ergeben, ich wollte nun mal unbedingt auf die Bühne und habe mich irgendwann einfach drauf gestellt. So wurde ich entdeckt. Heute denke ich mir oft, da hast du dich ganz schön was getraut!" Doch diese Courage hat aus Sandra eine der bekanntesten und erfolgreichsten Sängerinnen unserer Zeit gemacht. Und ihre unverwechselbare Stimme kommt auch auf der neuen Platte wieder voll zum Einsatz, obschon sich der Musikstil zwischenzeitlich natürlich ein wenig verändert hat. "Es ist ein sehr fröhliches Album, ein bisschen Latino-Pop, ein bisschen New York Pop, alles bunt gemischt und dann natürlich hört man in allem mein neues Lebensgefühl. Da ist wieder Power und Energie dahinter und deswegen heißt es auch "Back To Life", erklärt Sandra lächelnd.

Vom Popsternchen zur gestandenen Showbiz-Größe

Professionalität hin oder her - am Ende des Interviews können wir es uns einfach nicht länger verkneifen, unserem Star zu beichten, dass die Wände unserer Kinderzimmer früher zu mindestens 80% mit ihren Postern tapeziert waren. Das freut sie offenbar aufrichtig. "Das ist ja süß", lächelt sie und ihre berühmten Grübchen kommen exklusiv für uns zum Einsatz. Und süß finden wir sie irgendwie auch - denn obwohl aus dem Popsternchen der Achtziger mittlerweile eine gestandene Showbiz-Größe und  erfolgreiche Geschäftsfrau geworden ist, bleibt sie doch irgendwie immer noch unsere niedliche Sandra.

Einen Vorgeschmack auf Sandras neues Album könnt ihr Euch mit der Single "In A Heartbeat" machen, die am 06.03.2009 in den Läden erscheint.


Autor: Gelinka 29

Weitere Links zum Artikel

Clan: The 80s xxx Musik der 80er xxx - Musik - 24

Wo seid ihr? Fans der guten alten 80er? Kultsongs die man immer hören wird und keine “Eintagsfliegen

Verlinkte Artikel