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Girlofsummer

Girlofsummer , 36

from Berlin

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Berliner Parallelgesellschaften....

  • 04/05/07 12:17 pm

Es ist knapp ein halbes Jahr her – da zog ich aus einem beschaulichen Ort in Süddeutschland nach Berlin. Endlich in der Hauptstadt – dem Touristenmagnet. Den Duft der großen weiten Welt schnuppern. Ha! Hier tobt das Leben, hier trifft sich die Prominenz auf mondänen Champagnerparties – wer nach Berlin zieht hats geschafft. Angelehnt an Frank Sinatra – ist Berlin das New York der Deutschen - die Stadt in der Träume wahr werden - oder zerplatzen wie Seifenblasen an einem warmen Sommertag. Das es in der Metropole eine existente Parallelgesellschaft gibt, wusste ich. Die Parallelgesellschaft – begriffsbedeutend „eine nicht den Regeln der Mehrheitsgesellschaft entsprechende, häufig abgelehnte gesellschaftliche Selbstorganisation einer Minderheit.“ Ich hatte mich ja informiert. Kreuzberg, Neukölln, Wedding und so. Nichts Neues. Es war ein sonniger Tag, als der Begriff urplötzlich eine andere Bedeutung für mich bekam. Ich, der Neuankömmling, saß in der U-Bahn, als ich in einem Zeitungsartikel über den Begriff „Parallelgesellschaft“ stolperte. Quietschen der Bahn - die nächste Haltestelle - die Tür öffnete sich. Ein sichtlich vom Leben gezeichneter Mann mit fettigen Haaren und Bartstoppeln stieg ein. Er schien eine kurze Nacht gehabt zu haben, sein Geruch stieg unweigerlich in die Nase der Mitfahrenden. Die Kleidung - zerrissen und dreckig. Ein winziger Beutel mit Habseligkeiten, ein kleiner, struppiger Hund als Weggefährten. „Entschuldigen Sie die Störung. Ich habe zur Zeit keine Wohnung, keinen Job und lebe auf der Straße. Ich verkaufe die neue Ausgabe des Straßenfegers. Einen Teil darf ich behalten. Ich würde mich freuen, wenn sie mir eine Zeitung abkaufen würden, oder ein paar Cent für mich und meinen Hund hätten, etwas zu essen oder zu trinken. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“ Kaum einer sah auf – jeder der nicht auf den Boden starrte, schaute weg. Er tat mir leid. Ich gab ihm die Paar Cent die ich zusammenkratzen konnte – und musste unweigerlich an das Märchen vom Mädchen mit den Schwefelhölzern denken. Die nächste Station stieg er aus. Heute mache ich das nicht mehr. Zu abgestumpft. Zu oft den gleichen Spruch gehört, der schon mechanisch klingt und mittlerweile schon zum U-Bahn fahren dazugehört. Es gibt in Berlin viele Menschen die nicht, wie so oft behauptet wird, nur am Rande der Gesellschaft leben. Im Gegenteil – sie haben ihre eigene Welt geschaffen. Eine andere Form der Parallelgesellschaft. Abseits des Reichstages und der Friedrichstraße – weit weg von Alexanderplatz, KadeWe und Lafayette.Da gibt es den, der mit sich selbst redet weil sich keiner mit Ihm unterhalten möchte. Mit sich selbst reden müssen - das ist schon schlimm genug – und bekannt aus vielen großen Städten. Aber hier redet er mit sich über das Wetter. Es ist erschreckend wenn man schon mit sich selber kein anderes Thema findet. Oder den, der sich ständig ins Gesicht schlägt, um sich durch die Schmerzen von seinen Problemen abzulenken. Oft spielen in der U-Bahn auch Musiker, die auf einem schrägen Akkordeon ihre Kunst zum Besten geben. Ein kleiner Junge – mit einem Pappbecher sammelt die Spenden ein. Nervt manchmal.Dann gibt es die Punks, die sich immer etwas dazuverdienen, indem sie gebrauchte Fahrkarten erbetteln und wieder verkaufen. Tagsüber sieht man immer wieder die Flaschensammler. An jedem Mülleimer, in jedem Park. Immer auf der Suche nach brauchbarem Leergut, das etwas in den mageren Geldbeutel bringt. Es gibt den Mann im Rollstuhl – er hat keine Beine mehr – ein abgeschnittenes Sweatshirt als Hose - meistens nur ein zerfetztes hellblaues T-Shirt um den Kopf gebunden. Sein Tag fängt mit Bier an und hört mit Bier auf. Manchmal kann er sich nicht halten. Wenn er Glück hat, helfen ihm Passanten, die zufällig seinen Weg kreuzen. Dann lacht er. Es gibt die, die ihr Leben selbst mit Beinen in Alkohol ertränken und nie ohne Fahne und ihrer Bierflasche anzutreffen sind. Ja in Berlin gibt es einige skurrile Gestalten, die einen traurig und nachdenklich machen. Manchmal machen sie mir auch Angst. Es gibt aber auch andere. Und über die freut man sich wenn man sie sieht. Ort des Geschehens: die U2 – Ruhleben – Pankow. Ein dünner, unauffälliger Mann um die 40. Dunkle Haare. Groß. Wirkt etwas eigenbrödlerisch. Eher der stille Typ. Jedoch nur bis kurz vor der nächsten Haltestelle. Dann ist er ganz in seinem Element – da läuft er der elektronischen Stationsansage den Rang ab. Auf einmal tönt es: „Alexanderplatz! Nach Ruhleben – einsteigen bitte. Vorsicht Tür schließt!“ Da freut man sich richtig! Gibt es einen Ersatzverkehr kündigt er auch diesen an. Und er kennt jede – aber auch wirklich jede Haltestelle. Das ist der Ansager. Aber er kann auch anders: wehe Du fährst mit einem Bier in der Hand U2. Oder Du telefonierst mit dem Handy! Dann wird er sehr schnell sehr ernst, kramt in seinen Taschen und zückt seinen kleinen Block. Name, Ort, Uhrzeit, Vergehen, wird alles akribisch notiert. Dann verteilt er Strafzettel, den Du mit 3 Kreuzen unterschreibst. Und gelobst natürlich Besserung. Dann freut er sich – strahlt über das ganze Gesicht. Sein Lachen ist ansteckend. Er wird zwar oft belächelt, aber er bringt die sonst so in ihrer Lethargie versunkenen auch zum Lachen. Das tut richtig gut im Alltagsgrau. Ja – es gibt viele die in Ihrer eigenen Welt leben, aber trotzdem dazu gehören. Jemand der nicht genau hinschaut, könnte meinen sie wären arm dran und unglücklich. Stimmt aber nicht immer. Es gibt einige die glücklich mit ihrem Leben sind. Selbst wenn sie selbst nichts haben, schenken sie Dir doch ein Lachen.Und das ist hier viel Wert. Denn nimmt man es genau, gibt es in der Hauptstadt noch viel mehr Menschen, die noch viel ärmer dran sind: die Einsamen, die außer ihrem Champagnerglas niemanden haben. Auch eine Form von Parallelgesellschaft. Das nächste Mal werde ich dem Mann mit den Zeitungen wieder eine abkaufen...[b]


Die Legende von Mr.Right

  • 03/07/07 2:49 pm
Ab einem gewissen Zeitpunkt im Leben eines fast jeden weiblichen Wesens könnte Frau eigentlich mit dem zufrieden sein was sie hat: Eine tolle Wohnung, einen guten Job, einen recht vorzeigbaren Kleiderschrank (die passenden Schuhe und Accessoires inklusive), eine Truppe guter Freundinnen, mit denen man die Nacht zum Tag machen kann. Das perfekte Leben... Wäre da nicht ein kleiner Schönheitsfehler. Wo bitteschön findet man als perfekte Frau den perfekten Typ für das perfekte Leben?
Im Film ist das ja mal überhaupt gar kein Problem - erst rennt er dich um, nach einigem Hin und Her landen beide in der Kiste um dann Sekunden später vorm Altar zu stehen.
OKAY: Sehen wirs mal realistisch: DEN EINEN finden ist nahezu unmöglich. Also beschränken wir uns besser mal darauf, überhaut mal irgendeinen an Land zu ziehen...
Und Filmstar Monika Bellucci scheints im Gegensatz zu mir echt raus zu haben: Mit Schüchternheit wickelt Frau jeden Typen um den kleinen Finger! "Man ist als Frau nur dann interessant, wenn man seine Reize nicht forciert ausspielt“. Aha!
Als ich das las bin ich fast vom Hocker gefallen. Na super! Schüchtern? Ich? Bei mir mal komplett Fehlanzeige (was auch erklären würde warums mit Mr. Right nicht klappen will...) Außerdem wird ja in einschlägigen Frauenmagazinen grundsätzlich angepriesen, eben gerade nicht schüchtern zu sein. Ansprechen – offen sein- charmant und toll. Dazu ein sexy Outfit am Besten mit Strapse und High Heels (auf denen übrigens nur die Wenigsten wirklich laufen können). Ja was denn nun? Komplette Verwirrung meinerseits. Tja. Im Hinblick auf Mr. Right sollte ich dann wohl doch meiner extra wegtrainierten, unterdrückten Schüchternheit freien Lauf lassen und der Dinge harren, die da kommen. Oder vielleicht einfach da drauf gar nix geben und so sein wie man ist? Schließlich kann man weder sich selbst noch dem heißen Typen neben einem über längere Zeit was vormachen. Auf ihn warten? Nö – lass mal. Sich wegen ihm verbiegen? Klares Nö! Entweder er nimmt dich so wie Du bist – oder lässts eben einfach bleiben. Dann hat er Dich auch gar nicht verdient. Klare Ansage: Das ist das einzig Richtige Mr.Right!